x
Wir möchten wissen, wie Sie unsere Website nutzen. Dafür nutzen wir ein Analyse-Cookie. Wenn Sie “Ja, gerne” klicken, setzen wir dieses Cookie. Wenn Sie nichts anklicken, setzen wir kein Cookie. Diese Einstellung können Sie jederzeit auf unserer Webseite in der Datenschutzerklärung ändern. Weitere Infos …

Umgang mit Ängsten

Ängste – Liste mit einer Auzählung von Handlungen

Umgang mit Ängsten

Wir Menschen durchleben im Zyklus unseres Lebens die Höhen und Tiefen, die das Leben uns als Herausforderung gibt, sehr unterschiedlich. Wir erleben die Freude und den Schmerz, kämpfen auf die uns eigene Art mit unseren komplizierten Gedanken und Gefühlen. Wir erfahren die unerfreulichen Erinnerungen und unerwünschten Zwänge und Empfindungen mit einem inneren oder auch äußeren Kämpfen oder noch ganz anders. Unsere Gedanken können sich um inneres Klagen, Ärger, Vorausahnungen und/ oder Sorgen drehen.

Darüber hinaus zeigen wir auch das, nämlich Mut, tiefes Mitgefühl und einen besondere (und jeder auf seine Weise) Fähigkeit, das Leben in die Hand zu nehmen, so schwierig die Lebenssituationen auch sind.

Eine sehr junge Therapieform: ACT (Akzeptanz und Commitment Therapie unterstützt dabei, dass viele unserer Sichtweise und Handlungen, die wir zum Problem lösen benutzen, uns genau zu den Verhinderungen und Komplikationen führen, die uns Leiden lassen. Mit diesem Artikel möchte ich einen kleinen Anstoß geben, einmal ganz anders auf Deine Probleme und Ängste zu sehen.

Es gibt Wege und Methoden, dass Du mit Deinen Ängsten ein geschätztes, sinnvolles, würdiges und menschliches Leben führen kannst. Auch wenn Du zunächst „nur“ einen neuen Input erhältst, der Dich auf Deinem Weg befähigt, mutig weiter zugehen.

Hat der Schmerz eine Aufgabe?

Dein Schmerz kann von Dir als aufschlussreicher Verbündeter auf dem Weg genutzt werden, der vor Dir liegt. Wenn Du Dir klar machst, wie der menschliche Verstand (also Deiner) arbeitet, wirst Du bereit sein, einen weniger begangenen Pfad zu betreten.

Vielleicht hast Du erlebt, dass sich Deine schlimmsten Probleme nur noch verfestigt haben, in dem Du intensiv daran gearbeitet hast, sie zu lösen. Das ist keine Täuschung.
Es kommt von unserem Verstand, der plötzlich zu etwas dienen soll, wofür er nie geschaffen war.

Ein Ergebnis ist das Leiden.

Herkömmlich besteht die Meinung:
Die Überwindung von Stress, heisst z.B. zuerst Stressreaktionen abzubauen.

Nimm als ein Beispiel das Rauchen. Das Besiegen des Rauchens bedeutet zunächst, den Drang nach dem Rauchen loszuwerden.

Oder als Beispiel die Ängste. Über Angststörungen hinwegzukommen setzt voraus, sich entspannen zu lernen oder unrealistische und lästige Gedanken zu verändern.

Wir wollen das unterscheiden lernen.

Zunächst möchte ich Dich mit ein paar ungewöhnlichen Auffassungen konfrontieren:

  • Seelischer Schmerz ist normal, er ist sogar wichtig und jeder hat ihn.
  • Du kannst Deinen psychischen Schmerz nicht absichtlich loswerden, allerdings kannst Du Schritte unternehmen, ihn nicht künstlich zu verschlimmern.
  • Seelischer Schmerz und seelisches Leiden sind zwei verschiedene Dinge oder Zustände.
  • Du brauchst nicht Dich selbst mit Deinem seelischen Leiden gleichzusetzen.
  • Wenn Du Deinen Schmerz akzeptierst (annimmst), ist das ein Schritt in die Richtung, Dein Leiden zu verringern und Dich von ihm zu lösen.
  • Du kannst ein wertvolles Leben leben, und zwar sofort, aber dazu musst Du lernen, wie Du Dich aus den Schlingen Deines Verstands hin zum Leben befreist.

Was bedeutet das alles?

Das Du lernst, eine grundsätzliche Änderung Deiner Sichtweise zu erlernen, eine ganz andere Art, Dich mit Deinem Erleben auseinander zu setzen.

Welcher Hintergrund führt zu diesen Annahmen?

ACT – Akzeptanz und Commitment Therapie – ACT beruht auf der Relational Frame Theory: einem umfassenden Forschungsprogramm über die Gesetze des menschlichen Geistes oder Verstandes. Diese Forschung eröffnet eine Sichtweise, dass viele Werkzeuge, die wir zum Problem lösen benutzen, uns in Fallstricke verheddern lassen, die Leiden erzeugen.

Noch direkter ausgedrückt: Menschen spielen ein abgekartetes Spiel, in dem sich der menschliche Verstand, sonst ein tolles Werkzeug zur Meisterung seiner Umgebung, gegen den Menschen selbst wendet.

Da ich gern mit praktischen Übungen arbeite, um das Erfahren und das Lernen zu unterstützen und zu fördern, habe ich hier eine kleine Übungen, die Du mit Dir selbst durchführen kannst.

Gegenwärtigkeit

Nimm Dir hierfür 5-10 min Zeit, in der Du ganz ungestört mit Dir bist.

Beantworte innerlich die folgenden Fragen.

  • Was siehst Du gerade?
  • Was hörst Du gerade?
  • Was denkst Du gerade?
  • Was spürst Du gerade?
  • Was fühlst Du gerade?
  • Was brauchst Du gerade? Oder: Wonach ist Dir gerade?

Mache mindestens 3 Durchläufe, so dass Du Dir dreimal eine Antwort geben musst.
Nimm Dir nun Zeit für eine kleine Reflexion.

  • Was hast du erlebt?
  • Was hat sich im Verlauf der Übung verändert und was blieb gleich?

Ein wenig Theorie

Die Idee ist, das „innere“ Schlachtfeld zu verlassen, statt den Krieg zu gewinnen.

Wie geht das?

Hier mal ein Beispiel:
Angenommen Du begegnest jemanden, der mitten im Treibsand steckt. Es sind keine Äste und Seile vorhanden, die die Person erreichen kann. Du hast nur die Möglichkeit, der Person mit Worten zu helfen. Dieser Mensch ruft also: Hilfe, helfen Sie mir raus! Und macht dabei das, was Menschen tun, wenn sie in etwas stecken, wovor sie Angst haben: kämpfen, um herauszukommen. Wenn Leute in etwas reingeraten, aus dem sie herauskommen wollen, dann versuchen sie zu laufen, zu rennen, zu springen… was auch immer.

Das gilt aber nicht für Treibsand. Wenn man herauskommen will, muss man einen Fuß heben und ihn nach vorn bewegen. Im Treibsand ist das jedoch sehr schlecht. Wenn man einen Fuß hebt, verlagert sich das Körpergewicht auf den anderen Fuß, der Druck erhöht sich. Was passiert? Der Mensch sinkt im Treibsand immer tiefer.

Gibt es andere Optionen?

Wenn Du also einen Menschen im Treibsand siehst, kannst Du ihm etwas zurufen, was ihm hilft?

Wenn Du die Gesetzmäßigkeiten des Treibsandes verstehen würdest, könntest Du ihm zurufen, mit dem Kämpfen aufzuhören und zu versuchen, sich flach hinzulegen und mit ausgestreckten Gliedern den Kontakt mit der Oberfläche zu maximieren. In dieser Lage würde der Mensch nicht weiter einsinken und sich möglicherweise in Sicherheit bringen.

In unserem Leben kann es ähnlich zu gehen. Nur dass der Treibsand, in dem wir feststecken, in gewissem Sinne endlos ist.
Wann wird sich der Treibsand einer traumatischen Erinnerung ganz auflösen? Wann sollte der schmerzhafte Treibsand früherer Herabsetzungen durch Eltern oder Klassenkameraden verschwinden?

Gehe einmal in Dich.

Denke mal an eine Seite von Dir, die Du am wenigsten gut findest? Halte Sie Dir vor Augen?
Und jetzt frage Dich:

  • War das im letzten Monat ein Problem für mich?
  • Vor sechs Monaten?
  • Vor einem Jahr?
  • Vor fünf Jahren?
  • Wie alt ist dieses Problem?

Die meisten Menschen haben ihre schlimmsten Kümmernisse schon viele Jahre. Du hast sicher schon viele Methoden ausprobiert, um die inneren Auseinandersetzungen los zu werden. Die Versuche, Dich aus dem Treibsand zu befreien, haben dazu geführt, dass Du vielleicht noch tiefer hineingesunken bist.

In meinem Kurs „Die Angst schaut mich und ich lächle zurück“ oder auch in den psychotherapeutischen Sitzungen, geht es darum, Dir nicht zu helfen, wie Du Dich vom Treibsand befreist, sondern Dich zu unterstützen, wie Du lernst mit ihm zu leben.
Dein Leiden zu lindern und dich zu befähigen, ein geschätztes, sinnvolles, würdiges Leben zu führen.

Psychische Probleme, mit denen Du Dich vielleicht bis jetzt rumgeschlagen hat, bleiben scheinbar bestehen (oder auch nicht). Doch was soll Dich das noch bekümmern, wenn sie in einer Form bestehen bleiben, die Dich nicht mehr hindert, Dein Leben in vollem Umfang auszuschöpfen.

Nimm also gern Deine Skepsis mit auf die Reise. Die schadet nicht, vorausgesetzt, Du wendest das, was Du lernen willst, auch auf diese Skepsis an.

Quelle: In Abstand zur inneren Wortmaschine; Steven C. Hayes mit Spencer Smith